• Freitag, 17. November 2017

Binäre Optionen Steuern

Binäre Optionen SteuernPolarisierendes und gerade für Einsteiger sehr undurchsichtiges Thema im Handel mit Binären Optionen ist das deutsche Steuerrecht. Die Informationen im Internet sind oft nicht klar und eindeutig sondern sehr stark vom genauen Wortlaut der Fragestellung abhängig. Oft führt gefährliches Halbwissen ebenfalls zu Fehlinformationen und der Verbreitung von Unwahrheiten über Binäre Optionen & Steuerzahlungen. Wie verhalten sich das Trading mit Binären Optionen aber wirklich zum deutschen Rechtssystem?

Standardvorgehen bei Binäre Optionen Steuern

Steuern fallen bei Wertpapier- und Finanzhandel generell natürlich nur bei Gewinnen an. Eingeschlossen sind hier auch Binäre Optionen und diese Handelsart ist noch sehr jung. Nach Meinung einiger Experten ist das deutsche Rechtssystem darauf bisher nur unzureichend eingestellt. Es gibt viele Lücken und ungeklärte Fragen, durch welche Gesetze ganz unterschiedlich auszulegen sind. Trader, die sicher gehen und später nicht überrascht werden möchten wählen die einfache Variante der Abgabe von Steuern aus den Tradinggewinnen.

Ab welchem Betrag müssen Trader Steuern zahlen?

Generell gilt: Gewinne aus Wertpapiergeschäften sind in Deutschland steuerpflichtig. Der Gesetzgeber erlaubt jedoch eine Art Freibetrag in Höhe von 801,00 Euro je Person pro Jahr. Dieser sogenannte Sparer-Pauschalbetrag lässt sich auf die Gewinne aus dem Trading mit Binären Optionen anwenden. Alle Gewinnwerte, deren Betrag darunter liegt, müssen nicht versteuert werden. Für Verheiratete wird der Sparer-Pauschalbetrag zu einem gemeinsamen Freibetrag zusammengefasst. Dieser liegt entsprechend bei 1.602 Euro pro Jahr.

Der Sparer-Pauschalbetrag darf von Gewinnen über 801,00 Euro abgezogen werden. Binäre Optionen Steuern müssen dann nur auf den verbleibenden Betrag gezahlt werden.

Wie müssen die Steuern beglichen werden?

Banken und Binäre Optionen Broker, die ihren Sitz in Deutschland haben, sind für Trader in steuerlicher Sicht am geeignetsten. Sie behalten Steuern direkt ein und leiten sie an den Staat weiter. Der Aufwand für Trader ist dadurch minimal und sie können sich voll auf das Handeln konzentrieren. Besteht aus bestimmten Gründen eine Freistellung von der Steuer, so haben Trader die Möglichkeit, einen Freistellungsauftrag bei der Bank zu hinterlegen. Die Steuer wird dann nur noch zum Teil oder gar nicht abgezogen.

Ausländische Broker und Anbieter verzichten auf diesen Service und zahlen den Tradern ihre vollen Gewinne aus. Die Binäre Optionen Steuer müssen Privatinvestoren und Anleger selbstständig an das Finanzamt abführen und in entsprechenden Unterlagen und Formularen vermerken. Freistellungsaufträge werden von ausländischen Brokern entsprechend nicht angenommen. Besitzt das jeweilige Unternehmen einen Sitz in der Bundesrepublik Deutschland, dann können auf Anfrage eventuell Ausnahmen gemacht werden.

Steuerberechnung bei Binären Optionen

Eine absolute Ausnahme im deutschen Steuersystem: die Aufstellung von steuerlichen Verpflichtungen gegenüber dem Staat ist bei Binären Optionen relativ einfach. Grund dafür ist die Einführung der Abschlagssteuer. Es wird ein einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent auf alle Gewinne aus Wertpapiergeschäften veranschlagt, solange die Gesamtgewinne innerhalb eines Jahres je Person über 801,00 Euro liegen. Draufgerechnet wird außerdem der Solidaritätszuschlag.

Eine eigenständige Berechnung der Steuerschuld aus dem Handel mit Binären Optionen ist generell nicht notwendig. Der Einkommenssteuererklärung muss lediglich die Anlage KAP beigefügt werden, auf welcher die Einnahmen aus Wertpapiergeschäften einzutragen sind. Gesamtsteuerlasten legt dann das Finanzamt fest. Sollten beispielsweise aus der Einkommensteuer Rückzahlungen entstanden sein, dann wird die erwartete Steuerzahlung womöglich damit verrechnet. Ist dies nicht der Fall meldet sich das Finanzamt mit einem Steuerbescheid und der entsprechenden Forderung über den Steuerbetrag.

Gewinne und Verluste: wie berechnet sich die Steuerschuld?

Angenommen, ein Trader beginnt mit einem bestimmten Startkapital mit dem Handeln und gewinnt alle seiner Trades. Bei einem Optionskontrakt setzt er nun sein gesamtes Kapital und verliert. Muss dann auf die zuvor entstandene Gewinne jeweils eine Steuer gezahlt werden, sodass sich für den Trader gleich ein doppeltes Minusgeschäft ergibt?

Die Vermutung, dass direkt auf jedes Handelsgeschäft eine Steuer abzuführen ist liegt nahe. Darüber hinaus ist für Trader die Frage relevant, ob auch auf einem Handelskonto befindliches Kapital zu versteuern ist. Beides kann leicht beantwortet werden: Gezahlt werden müssen Steuern für gewöhnlich nur auf die Gewinne, die sich ein Trader auszahlen lässt. Zwischen Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb eines Jahres darf dabei noch einmal der Reingewinn manuell berechnet werden. Erst auf diesen ist am Ende möglicherweise eine Steuerschuld zu leisten.

Kniffe im Umgang mit Binäre Optionen Steuern

Sollte der Gesamtgewinn innerhalb eines Jahres über dem Sparer-Freibetrag liegen können Trader versuchen, das Geld möglichst lange auf dem Onlinekonto zu sammeln und erst dann eine Auszahlung beantragen, wenn das Jahr vorüber ist. So ist es möglich, Gewinne praktisch mit ins nächste Jahr zu nehmen und auf Steuerzahlungen vorläufig zu verzichten. Solange Kapital auf einem Handelskonto als aktive Geldanlage für Finanzgeschäfte gelagert ist fallen keine Steuern an.

Ob dieser kleine Trick einwandfrei legal ist können wir nicht sagen. Gewähr für diese Information geben wir deshalb ausdrücklich nicht. Andere Informationen besagen darüber hinaus, dass nicht der Zeitpunkt des Geldflusses auf das Konto entscheidend ist. Vielmehr liege der Fokus auf dem Zeitpunkt der Gewinngutschrift auf dem Brokerkonto.

Angreifbare Rechtslage

Prinzipiell äußert sich das deutsche Recht nicht direkt zur Versteuerung der Gewinne aus dem Handel mit Binären Optionen. Die Rede ist lediglich von Wertpapiergeschäften. Ob Binäre Optionen hier dazuzurechnen sind oder nicht ist Auslegungssache.

Definitionsbereich des Handels mit Binären Optionen

Angeführt wird immer wieder das Beispiel Poker. Pokern gilt im deutschen Rechtssystem als Glücksspiel und wird damit auf eine Stufe mit Roulette und anderen Casino-Games gestellt. Diese Einordnung halten viele Steuerprofis für nicht gerechtfertigt. Denn beim Pokern ist es möglich langfristig hohe Gewinne zu erzielen und einen auskömmlichen Lebensunterhalt zu bestreiten. Dies belegen viele Beispiele aus der nationalen und internationalen Profiszene. Zwar basiert das Pokerspiel auf Wahrscheinlichkeiten und Glück, doch ist das Risiko hier berechenbar. Profis wissen zu jeder Zeit ganz genau, wie ihre Chancen auf einen Gewinn sind. Durch Erfahrung und Kenntnis über das Spiel nehmen sie dem Poker ein Stück vom zufälligen Glücksspielcharakter und integrieren das Risiko in ihre Spielweise. Ob Poker deshalb generell unter den Begriff des Glücksspiels fällt ist sehr zweifelhaft.

Das Prinzip beim Trading mit Binären Optionen ist sehr ähnlich. Chartanalysen und Kenntnisse des Marktes reduzieren das willkürliche Risiko beim Wetten auf bestimmte Ereignisse. Auch auf Binäre Optionen trifft die Bezeichnung des „beherrschbaren Risikos“ perfekt zu. Mit dem nötigen Fachwissen schaffen es Trader, ihren Lebensunterhalt auf lange Sicht einzig mit dem Setzen auf Binäre Optionen zu verdienen.

Poker und Binäre Optionen sind sich also sehr ähnlich. Dennoch unterliegen beide Systeme einer unterschiedlichen steuerlichen Einordnung. Entweder, so heißt es aus Expertenkreisen, der Gesetzgeber streiche das Pokerspiel aus der Definition von Glücksspiel, oder der Binäre Optionen Handel werde steuerlich ebenfalls durch die Regelungen zum Glücksspiel erfasst.

Auswirkungen auf Steuerzahlungen

Gewinne aus Glücksspielen mussten in Deutschland lange Jahre nicht versteuert werden. Seit einiger Zeit greift allerdings die Regelung einer 5 Prozent-Gebühr, welche bei Gewinn eines Glücksspiels vom Gewinn steuerlich geltend gemacht werden muss. Anbieter von Sportwetten ziehen diesen Satz beispielsweise direkt bei Wettabgabe vom möglichen Gesamtgewinn ab. Dieses Prozedere wäre auch für Binäre Optionen denkbar.

Reduzieren würde sich neben dem zeitlichen Aufwand der Steuerabgabe für Trader auch der Steuersatz insgesamt. Statt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag werden dann nur noch fünf Prozent der Gewinne abgegeben. Einige Trader nutzen die Definitionsschwierigkeiten des deutschen Rechtssystems schon heute und gehen davon aus, dass Binäre Optionen nicht von der Steuer für Wertpapiergeschäfte betroffen ist.

Binäre Optionen ist noch sehr neu und steuerlich nicht ausreichend erfasst. Eine steuerliche Bewertung von Binären Optionen steht von Seiten des Gesetzgebers aktuell noch aus. Das Handelssystem wird im deutschen Recht nicht ausdrücklich genannt und definiert sodass sich strukturelle Unsicherheiten ergeben die auch für die Abtretung der Steuern interessant sein können. Aktuell sollten Trader aber davon ausgehen, dass sie ihre Gewinne aus dem Handel mit Binären Optionen nach den steuerlichen Regelungen für Wertpapiergeschäfte versteuern müssen.

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